Vom Kirchenwesen
Seit der Christianisierung des "Eygens Teuschnitz"
durch die Mönche der Zisterze Langheim und der Errichtung
der freien Parochie Teuschnitz durch Bischof Otto II. von
Bamberg (1190/1192) pfarrte die Dorfgemeinde Reichenbach,
ebenso wie die Bewohner aus Haßlach, Wickendorf und
Rappoltengrün nach der Stadt Teuschnitz.
Alle kultischen Bräuche in der Pfarrgemeinde und alle
religiösen Pflichten eines katholischen Christen mußten
am Sitz der Pfarrei, d.h. in Teuschnitz erfüllt werden.
Alle Christlichen Feste und Feiern, alle Taufen, Kommunionen,
Firmungen und Hochzeiten, alle Christenlehren und Religionsstunden,
alle Beerdigungen und Seeleämter fanden ihre Erledigung
und Erfüllung in Teuschnitz.
Reichenbach schien für immer und ewig nach Teuschnitz
pfarren zu müßen, fürwahr eine hohe Anforderung
an die Bekenntnistreue der Katholiken in der Gemeinde.
Der Weg aus dem Dorf in die Stadt Teuschnitz zum sonn-
und feiertäglichen Amt in der Pfarrkirche erreichte
am "Gericht" die stattliche Höhe von 667
m und es war erst der halbe Weg des Fußmarsches nach
Teuschnitz bewältigt. Beschwerlich genug in allen Jahreszeiten,
besonders im Frühjahr und im Herbst, wenn sich die
Wetter austobten. Wie die Reichenbacher in den Wintermonaten
ihrer Christenpflichten genügten, ist nicht überliefert.
Seit der Einrichtung einer Kuratie Haßlach, am 14.
September 1912, wurde Reichenbach von dort aus Seelsorgerisch
betreut und erlangte als Filialgemeinde gleichzeitig das
Recht auf Errichtung eines sonntäglichen Wechselgottesdienstes
bei Erbauung einer eigenen Kirche.
Bereits im Jahre 1911, am 29.Juni, wurde für diesen
Zweck durch das Eingreifen des Stadtpfarrers Panzers und
des Stastkaplans Schlaug aus Teuschnitz ein Kirchenbauverein
in Reichenbach gegründet. Das Vermögen dieses
VEreins ging leider in der Inflation 1923 verloren.
Größer als dieser Verlust war aber der tätige
Opfersinn und die Opferbereitschaft der Reichenbacher Bevölkerung,
sowohl der Bauern für die Holzkirche aus ihren Wald
stifteten, als auch die Schieferbrücher, die den Dach-
und Wandschiefer durch ihrer Hände Arbeit im Schieferbruch
Lehesten in Thüringen fronten, als auch aller anderen,
die durch Fronarbeit und Geldspenden die Anschaffung kleinerer
und größerer Teile der Innenausstattung möglich
machten.
|
|
|
Richtfest beim Bau der Filialkirche zu Reichenbach
im Jahre 1927
|
Das Aufrichten des Glockenturms der ersten Kirche
zu Reichenbach.
|
Am hochherzigsten zeigte sich die Witwe Margaretha Förtsch,
gen: "Epperlesmaichl", Reichenbach Nr. 2, die
aus dem Besitz ihres verstorbenen Mannes, dem Bauern Peter
Förtsch, gen. "Epperlespieter", der die Kirche
ein 65 Tagwerk großes Waldstück an den Auwiesen
für eine "zu errichtende Tochterkirchengemeinde
Reichenbach" vermachte, das heutige Kirchenholz.
Den Bauplatz stiftete der Bauer und ehemalige Bürgermeister
Josef Schnappauf, gen. "Glasendickensepper", Reichenbach
Nr. 34, beim "unterem Glasendicken". Er trat gleichzeitig
als Bauherr für einen Getreidestadel auf, weil weder
die kirchlichen noch die staatlichen Stellen und Behörden
etwas von einem Kirchenbau in Reichenbach wissen wollten.
Auf dem Bauplatz stand schon mal ein Anwesen, das 1912 /
1914 abgebrochene Bauernwesen "ünter Kounzen",
Nr. 35.
Mit dem Bau der Holzkirche in Reichenbach
wurde im Jahre 1927 begonnen. Die Planung erstellte der
Kuratus Raimund Trauner, welcher in der Kuratie Haßlach
wirkte und ehemals Bautechniker war.

Raimund Trauner
geb. 16.05.1848 in Nürnberg, gest. 11.07.1958 in Fürth
Als Kuratus von Haßlach war er Planfertiger und Erbauer
der Filialkirche von Reichenbach.
Schon im 27. Dezember 1927 wurde die Kirche
von Reichenbach durch den Generalvikar und Domprobsten Dr.
Wolkenau aus Bamberg benediziert, zu Ehren der Apostelfürsten
St. Peter und Paul. Die Weihe der Filialkirche führte
dann am 16. Juni 1934 der Erzbischof von Bamberg, Dr. Jakobus
von Hauck, aus, welcher die Kirche konsekrierte.
Im Jahre 1938 wurde die Kuratie Haßlach
zur Pfarrei erhoben und Reichenbach blieb mit seiner Kirche
Filiale.
Dem Bau der Kirche folgte 1949 / 1950 der
Bau des Pfarrhauses. Erster und einziger Bewohner dieses
Pfarrhauses war der Kommorant und Dechant Franz Xaver Storch.

Franz Xaver Storch
geb. 22.03.1856 in Schluckenau / CSSR. gest. 14.06.1968
in Reichenbach
An der Ortsverbindungsstraße zwischen
den Pfarrorten Reichenbach und Haßlach wurde ein neues
Pfarrzentrum erbaut. Die Pfarrkirche wurde nach ihrer Fertigstellung
am 18. September 1977 von Hochwürden Herrn Erzbischof
Dr. Elmar Maria Kredel von Bamberg zu Ehren des hl. Erzengels
Michael geweiht.
Am 18. Juli 1978 wurde die bis dahin selbständige
Pfarrei Haßlach zur Pfarrei Haßlach-Reichenbach
erklärt.
In der Zeit vom 26.November bis zum 13.Dezember
1979 wurde die alte Kirche St. Peter und Paul abgerissen.
Die Kirche, ganz und gar aus den heimischen Baustoffen Holz
und Schiefer errichtet, diente fast ein halbes Jahrhundert
als Gotteshaus. Die "Notkirche" steht nicht mehr,
ein Wahrzeichen der Ortschaft ist für immer verschwunden.
Bild links: Kirche St. Peter und Paul, Blick von Osten.
Bild rechts oben: Das Dorfbild schmückte die im Schieferkleid
glänzende Holzkirche St. Peter und Paul.
Bild rechts unten: Im November 1979 wurde die alte Kirche
abgerissen, ein Wahrzeichen verschwand.
Ausschnitte aus dem Buch: 800 Jahre Gemeinde Reichenbach
von 1190-1990.
Weiteres aus der Geschichte Reichenbachs:
Das Loch im "Eisernen
Vorhang" von Bernhard Zipfel
Die Reichenbacher Tracht
Der "Anker"
Vom Kirchenwesen
Die Kapelle "St. Mariae"
Die Schieferbrücher