Geschichte
Reichenbach heißt das Dorf und so wird auch der Bach
genannt, dessen Name schon manschen Geschichtsschreiber
dazu veranlaßt sah, das Beiwort "reich"
so zu erklären, als wäre es ein reicher, starker,
mächtiger Bach, der im "Gächertsteichlein",
am Fuße des Glasendickenbergs (676m), seinen Ursprung
hat.
Erstmalig wurde Reichenbach im Jahre 1190 urkundlich erwähnt.
Seid dieser Zeit hatte es schon viele Ortsnamen, deren Schreibweise
wie folgt aufgeführt wurden. Diese sind aber aller
warscheinlichkeit nur willkürlich, etwa nach Gehör
niedergeschrieben worden.
1190 = Richebach
1250 = Richenbach
1388 = Reichenpach
1520 = Reychenbach und später, bis zum heutigem Tag
= Reichenbach
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Die Entwicklungsgeschichte an Hand von Urkunden.
Sind bis zu der Zeit, in der die Bamberger Bischöfe
im Frankenwald Fuß faßten, Aufzeichnungen über
das Gebiet um Teuschnitz nur spärlich vorhanden, so
ändert sich dies mit der Vergabe des Gebietes durch
Bischof Otto II. von Bamberg an das Kloster Langheim.
In der Urkunde von 1187 bekundet der Bischof u.a., daß
er die Oedung, die Tuschice (Teuschnitz) heißt, vom
Flüßchen Dobera (Dober) bis Rotenchirichen (Rothenkirchen),
aber auch Beringesrot (Brennersgrün) bis Tannenbach
(Dammbach), den Brüdern von Lanchenheim ( Langheim)
zur freien Verfügung gegeben hat.
Kurz danach, um 1190/1192, muß die Christianisierung
unseres Gebietes durch die Mönche des Klosters Langheim
soweit gelungen sein, daß Bischof Otto II. vom Bamberg
den Zisterziensern zu Langheim die Schenkung aller Einöden
zwischen Chrana und Ohrla, nämlich Teuschnitz, Windheim
und den angrenzenden Wald, bestätigt.
Gleichzeitig verlieh er der von Abt Raboto von Langheim
neu gegründeten Kirche Teuschnitz die Rechte einer
Pfarrei und legte ihr die vier Hufen Teuschnitz, Steinbach,
Windheim und Richebach (erste urkundliche Erwähnung
von Reichenbach) zu. Reichenbach muß dem zufolge schon
vot der Schenkung an Langheim bestanden haben.
In den nächsten Jahrzehnten folgten dann Ansprüche
auf Besitz- und Vogteirechte von seiten weltlicher Herren
gegenüber dem Kloster.
Im Jahre 1250 verzichtete Graf Otto von Lobenstein in Gegenwart
des Bischofs Heinrich von Bamberg und Zeugen u.a. aus Teuschnitz,
Rappoltengrün und Reichenbach auf das angemaßte
Vogteirecht über Hasela (Haslach) und Richenbach (Reichenbach)
zu Gunsten des Klosters Langheim, verlangte aber für
den Verzicht ein Pferd im Werte von 6 Talenten und ein Fuder
Wein.
Am 13 Juni 1294 urkundet Graf Herman von Orlamünde
im Streit zwischen der Benediktinerabtei Saalfeld und der
Zisterzienserabtei Langheim
"... die Waldgrenze, welche anhebt bei der Quelle
des Flüßchens oder Baches Tannenbach (Dammbach)
und über die Mitte des Berges Eppenberch (Eppenberg)
bis zum Pfad zum Berge Wetzstein zwischen den Dörfen
Haselach (Haßlach) und Lesten (Lehesten), Richenbach
(Reichenbach) und der Schonenawe (Schönau)..."
Die Dörfer Haßlach und Reichenbach blieben auf
Langheimer, die Dörfer Lehesten und Schönau auf
Saalfelder Seite. Das Dorf Schönau ist abgegangen.
Nachdem Langheim von Kaiser Ludwig im Jahre 1329 auch noch
das von altershergebrachte Blutgericht "im Eigen und
Markt Teuschnitz" bestätigt und 1344 die Bergwerksgerechtigkeit
für alle Metalle auf den Gütern Teuschnitz verliehen
bekam, schien das Kloster auf dem besten Weg zur Entwicklung
einer eigenen Territorialhoheit zu sein.
Schwere wirtschaftliche Nöte des Klosters waren die
Ursache, daß 1364 der Markt Teuschnitz mit 31 Dörfern
und Wustungen, darunter auch Reichenbach, an den Bischof
Friedrich II. verpfändet wurden. Die Verpfändung
wurde aber bald darauf wieder rückgängig gemacht.
1385 verpfändete Langheim seine Höfe Tambach,
Teuschnitz und Hochstadt für 6000 Gulden an den Bischof
zu Bamberg.
Zum entgültigen Verkauf des "Eigens zu Teuschnitz"
kam es im Jahre 1388 durch Abt Friedrich und dem gesamten
Konvent. Für 8000 böhmische und ungarische Goldgulden
wurde das Eigen zu Teuschnitz mit 25 Dörfern und 15
Wüstungen und allen Rechten und Einkünften an
Bischof Lamprecht von Brunn vom Hochstift Bamberg verkauft.
Im Jahre 1390 erhielt Teuschnitz die Rechte einer Stadt
zugesprochen.
1399 wurden die orlamündischen Vogteigefälle,
welche Bischof Otto II. von Bamberg bei der Schenkung 1187
an die Zisterzienser seinen Neffen übertragen hatte,
durch den Bischof Albrecht von Bamberg abgelöst.
Er kaufte den Grafen "...alle Renten und Gülte
aus dem Eigen zu Teuschnitz ..." an den Markt
und den 6 Dörfern Reichenbach, Haßlach, Steinbach,
Windheim, Buchbach und Kehlbach in der Gestalt der alten
Haferreichnisse und der Gestellung eines Heerwagens aus
Teuschnitz ab.
1507 gehörten in den Kasten (Sammelpunkt der wirtschaftlichen
Gefälle, Verwaltung und Einnahme der bäuerlichen
Zinsgefälle) zu Chranach ( Kronach) u.a. Teuschnitz,
"...das Ampt und was Dorffer, Hoff und Wustungen
darein gehören...". So auch Reichenbach.
Der Bauernkriegb1525, ein Aufstand der Bauern in Mittel-
und Süddeutschland, vom Schwäbischen ausgehend,
gegen die zu sozialen Mißständen führenden
Machtkonzentration der Landesherren, war eine der gößten
Volkserhebungen in der deutschen Geschichte überhaupt
und ging auch an unserem Gebiet nicht spurlos vorüber.
Peter Fritz und Hans Schella aus dem Amt Teuschnitz sammelten
hier die Bauern und forerten Sie zum Widerstand gegen die
Adeligen und Geistlichen auf, da sie durch Zentleistung
und Frondienst für diese in Elend und Not geraten waren.
Die sozialreformerischen Bauern erhielten in ihren Bestrebungen
durch die Reformation (Martin Luther hatte am 31.Oktober
1517 seine 95 Thesen an die Schloßkirche von Wittenberg
geschlagen) einen gewaltigen Aufschwung.
Am 21.April 1552 erhielt Jihann Zweidler als katholischer
Priester die Pfarrei Teuschnitz.
"...Er fiel bald ab und verführte die ganze
Pfarrei zum Luthertum..."
Bis sich der katholische Glaube in diesem Gebiet wieder
festgesetzt hatte, verging annähernd ein halbes Jahrhundert.
Am 17. Mai 1594 erfolgte zum wiederholten Male eine Einschärfung
der hochstiftlichen Anordnung zur Wiedereinführung
der katholischen Lehre, da vielfacher Wiederstand in den
Ortschaften entgegengebracht wurde.
Der Amtmann von Teuschnitz berichtete dazu, das dies bei
Rücksicht auf "...solche Rebellischen und
ungeschliffenen grobe Walltleuth..." nicht ohne
Gefahr geschehen könne.
Um 1600 dürfte die Rekatholisierung diese Gebietes
abgeschlossen gewesen sein, denn während des Dreisigjähigen
Krieges war die Gegend um Teuschnitz wiedr katholisch.
Der Dreisigjährige Krieg (1612-1648), erwachsen aus
dem Gegensatz von Katholizismus und Protestantismus hatte
seine Auswirkungen auch in unserem Gebiet. So wird bereits
1628 von protestantischen Truppenbewegungen im Amt Teuschnitz
berichtet. Für die Verteidigung von Kronach mußte
einer Außschußakte zufolge das Amt Teuschnitz
1632 folgende Anzahl von Männern stellen:
Teuschnitz: 17, Wickendorf: 8, Marienroth: 9, Förtschendorf:
3, Hirschfeld: 7, Buchbach: 10, Windheim: 7, Steinbach:
4, Haßlach: 3, Reichenbach: 8, Rappoltengrün:
3 und Tschirn: 12.
Am 20 März 1632, nachmittags um 5.40 Uhr, fielen Reiter
von Lehesten in Haßlach ein, raubten alles Vieh und
anderes und erschoßen den Schultheiß nebst einer
Weibsperson. Am 8.Juni 1632 wurde die Stadt Teuschnitz bis
auf den Grund niedergebrannt und viele Einwohner ermordet.
Die Leidenszeit in unserer Gegend ist aber nicht nur auf
die Überfälle feindlicher Truppen zurückzuführen,
denn gleichemaßen Unheil brachten die eigenen Truppen,
welche auf Proviantsuche die eigenen Dörfer heimsuchten
und plünderten. Der Westfälische Frieden im Jahre
1648 brachte das Ende des Dreisigjährigen Krieges.
Das Umland war verwüstet, die Bevölkerungsverluste
waren hoch und die Bauern und Bürger waren verarmt.
Im Jahre 1803 wurden die reichsunmittelbaren geistlichen
Gebiete, aber auch die landsansässigen Klöster,
welche nicht dem Reich unterstanden, säkularisiert
(verweltlicht). Das Fürstbistum Bamberg wurde dem Kurfürstentum
Bayern einverleibt. Die bischöflichen Ämter wurden
aufgelöst.
Eine Eingliederung in das Land Bayern brachte verschiedene
Veränderungen in der Verwaltung mit sich. So wurden
1804 das Oberamt Kronach und das Amt Teuschnitz aufgehoben
und dafür ein Landgericht Kronach und ein Landgericht
Teuschnitz geschaffen.
Am 1. Januar 1806 wurde Bayern zum Königreich erhoben
und Kurfürst Max I. Joseph wurde der erste König
von Bayern.
Viele Opfer mußten die Reichenbacher während
der Franzosenzeit, also von 1803 bis 1813 bringen. Beim
Durchzug der kaiserlichen französischen Armeen unter
Marschall Murat und dem Kaiser Napoleon selbst mußten
die Dorfbewohner, wie alle andern Dörfer und Märkte,
bei persönlicher Haftung des Schultheißen bei
unmißverständlicher Androhung härtester,
miltärischer Exekution und bei hohen Strafen an Hab
und Gut lauter schwere Fron-, Hand- und Spanndienste leisten.
Die Order kam immer wieder vom Königlichen Landgericht
Nordhalben, wo sich zwischenzeitlich das Landgericht Teuschnitz
befand. Unmengen von Fleisch, Brot, Mehl, Hafer, Bier und
Branntwein mußten zur Verpflegung der Truppen nach
Nordhalben geliefert und Unsummen von baren Talern beim
Königlichen Landrichte Meisner dort gezahlt werden.
Noch während dieser Zeit schürften französische
Mineure und Ingenieure für eine französische Interessengemeinschaft
in der Nähe des Dorfes nach Eisenerz. Sie hatten bei
"Körners", im Anwesen des Bauern Jihann Neubauer,
Haus-Nr. 41, Quartier genommen. Von dort aus konnten sie
die Schürflöcher in der Kremnitz und im Reppich
leicht erreichen, mußten aber die Arbeit wegen zu
geringer Beute einstellen.
1814 herrschte in Reichenbach die Rinderpest. Wer die Dorfgemarkung
wechselte, mußte sich an der Dorfgemarkung aufstellen
und von Soldaten besetzten Wachhäusern räuchern
lassen, um die Seuche nicht zu verschleppen und an das Dorf
zu bannen. Die Seuche brachte erneut große Not in
die Höfe.
Im Jahre 1822 wurde das erste Schulhaus in Reichenbach
gebaut und1868 erweitert.
1852 führte die Gemeinde auf Weisung des Königlichen
Amtsgericht Ludwigsstadt die Nummerierung der Häuser
ein.
Es wurden 46 Hausnummern an Gebäude vergeben.
Der Wald- und Wildreichtum des Reichenbacher Jagdbogen
veranlaßten den Fürsten von Hohenlohe im Jahre
1890 die Gemeindejagd zu pachten und hegen. Der Fürst
oblag besonders gerne der Jagd auf Auerwild.
Er wohnte in der unteren Wirtschaft bei "Epperles"
(Appolonius Schnappauf) Haus-Nr. 40.
Fürst Hohenlohe war Junggeselle, brachte seine eigene
Dienerschaft, seinen eigenen Koch, sein eigenes Bett und
das erste Automobil mit in den Ort. Fürst Hohenlohe
hatte den Jagdbogen bis in das Jahr 1925 gepachtet.
Ausschnitte aus dem Buch: 800 Jahre Gemeinde Reichenbach
von 1190-1990.
Weiteres aus der Geschichte Reichenbachs:
Das Loch im "Eisernen
Vorhang" von Bernhard Zipfel
Die Reichenbacher Tracht
Der "Anker"
Vom Kirchenwesen
Die Kapelle "St. Mariae"
Die Schieferbrücher