9. Kulturabend in Reichenbach
Musikalische Höhepunkte „am laufenden
Band“
REICHENBACH
Wie schon in den Vorjahren hatten die drei Reichenbacher
Kulturvereine, Bergarbeiter-Unterstützungsverein
(BAUV), Sängerrunde „Eintracht“ (SRE)
und die Original Reichenbacher Blasmusik (ORB) einen originellen
Kulturabend zusammen gestellt. Schon aus der Programmvorschau
war zu erkennen, dass der Dirigent Klaus Schnappauf und
der Chorleiter Norbert Daum ein unterhaltsames aber auch
anspruchsvolles Musik- und Gesangsprogramm zusammengestellt
hatten. Die Bewirtung und Umrahmung des Abends oblag den „Unterstützern“ mit
ihrer Vorsitzenden Diana Heinz. Reichenbachs 2. Bürgermeisterin
Karin Ritter hieß alle anwesenden Gäste auf
das herzlichste Willkommen.
„Wir präsentieren …“ lautete das
Motto des Abend und mit der gleichnamigen Registerparade
von Josef Basting kam gleich das ganze Klangvolumen der Blasmusik
zur Geltung und alle Instrumentengruppen wurden im Polka-Swing-Stil
vorgestellt. Reinhard Hertel vom BAUV begrüßte
stellvertretend die zahlreichen Gäste und freute sich,
dass der Kulturabend zwischenzeitlich eine echte „Zugnummer“ geworden
ist. Sein besonderer Dank galt den vielen auswärtigen
Gästen und Musikabordnungen. Traditionell erklang dann
der Marsch „Glück Auf, der Steiger kommt“,
von Otto Wagner. Diese Hymne der Bergmänner erfreute
vor allen die Abordnung des „Traditionsverein Thüringer
Schieferbergbau“ aus Lehesten.
Mit dem bekannten Solostück „Weinende Trompete“ von
Vlado Kumpan konnte sich das Trompetenregister der ORB einmal
mehr beweisen. Ein gelungenes, anspruchsvolles Arran-gement
vom Dirigenten Klaus Schnappauf, der bewusst die von Edgar
Ruppert gefühlvoll vorgetragene Solostimme in einen
vierstimmigen Trompetensatz aufflammen ließ. „Musikantenherzen“,
ein weiteres Bravourstück intonierten Dominik und Daniel
Grüdl am Tenorhorn und Bariton im Wechsel mit dem Flügelhorn,
gespielt von Desire Georgi. Bei der in der Oberstufe eingeordneten
Polka war vor allem die Exaktheit der drei Instrumentalisten
bei der Kadenz im freien Vortrag bemerkenswert.
Die Sängerrunde „Eintracht“ Reichenbach
unter der Leitung von Norbert Daum zeigte ihre Vielfalt an
Gesangsvermögen mit „Auf das Leben“ von
Dieter Frommlet, „Freude und Freunde“ von Alex
Link und Elisabeth Zeitler sowie „Regenbogenland“ von
Dan McAndrew, ar-rangiert von Manfred Bühler.
Siegfried Hollermayer darf wohl als musikalisches Allroundtalent
bezeichnet werden. Er stand viele Jahre der ORB als Dirigent
vor und spielte Klarinette und Saxofon. An diesem Abend überzeugte
er mit feinfühlenden Zitherspiel. Bei „Wien bleibt
Wien“ nach dem gleichnamigen Komponisten der „Schrammelmusik“ und
der „Egerländer Polka“ von Eduard Spie-ler
lauschten die Zuhörer.
Ein weiteres musikalisches Schmankerl präsentierten
die Blasmusikanten mit dem „Gesang der Lerche“,
einen anspruchsvollen Solostück der „schwarzen
Trompete“. Frank Kratochvill zeigte auf seiner Es-Klarinette
wahre Fingerakrobatik bei dem von Klaus Schnappauf vorge-gebenen
flotten Tempo und meisterte dieses Solo mit Virtuosität.
Unter finanzieller Unterstützung von Gönnern konnte
für die ORB jüngst eine neue
Tuba angeschafft
werden. Jetzt konnte sich der 1. Vorsitzende Alexander Klug
mit einem Solostück auf dieser Tuba bedanken. Mit Klaus
Schnappauf am Bass spielte er die Solisten-Polka „Tuba-Stenz“ von
Josef Blasing. Eindrucksvoll präsentiert wurde auch
die „Wude-Polka“ von Xaver Holzhauser. Auffallend
bei diesem Stück war sicherlich der letzte Teil, bei
dem Günter Hoderlein an der Posaune die Bassstimme übernimmt
und sich die Musiker nach und nach langsam „davonschleichen“.
Natürlich wurde auch mit beachtlichen Märschen
der traditionellen Blasmusik Rechnung getragen. Beim berühmten
Trio des „Seeteufel“-Graf-Luckner-Marsches „Blow
boys blow for Californio“ stimmen Alle im Saal mit
ein.
Bei den Liedern „Im Internet da musst du zocken“ von
Markus Gerhard/Manuel Sommer und „Ein Mensch ist kein
Mensch mehr ohne Handy“ von Markus Gerhard/Alexandra
Jung, vorgetragen von der SER wurde an den Alltag erinnert
bevor die Gleichen mit Baptist Tremel am Akkordeon etwas
vom „der Karpfenschmaus“ erzählten.
Auch bei seinem zweiten Auftritt konnte Siegfried Hollermayer
mit seinem virtuosen Spiel auf der Zither begeistern und
schaffte es mit dem Ländler „Gruß aus
den Bergen“ von Alfons Bauer die Aufmerksamkeit des
Publikums zu gewinnen. Und es fehlte auch nicht die Zitherballade „Der
dritte Mann“ aus dem Harry Lime Thema von Anton Karas
mit der Klangbreite und -fülle des Zitherspiels.
Man erkennt Musik meist schon an den ersten Takten - das
muss James Last sein. Mit dem Klassiker „Happy Music“ spielten
die Musiker in der Bearbeitung von Erwin Jahreis diesen Ohrwurm.
Wer genau hinhörte, erkannte die raffinierten, musikalischen
Schwierigkeiten dieser kontrastierenden Melodie. Ein neuzeitliches
Werk spielten die Blasmusiker mit dem „Banana Rock“ von
Steve McMillan. Es brauchte sicher sehr viel Vorbereitung,
bis dieser Rhythmus von allen Musiker umgesetzt wurde und
nur so ist es zu erklären, dass trotz des divergierenden
Rhythmus ein so satter Big Band Sound zum Publikum überschwappte. „The
Lion sleeps Tonight“ von Solomon Linda aus dem Jahre
1939, der so genannte „African doo wop Song“ zeigte
danach einmal mehr die Bandbreite der Reichenbacher Musikanten
und ihren Sänger Axel Licht, der diesen Volkssong stilecht
darbot.
Der Höhepunkt des Abends war aus musikalischer Sicht
wohl der gemeinsame Auftritt der SER und der ORB mit dem
1982 erschienenen Werk „Moment For Morricone“.
Der Arrangeur Ennio Morricone verwendete die weltbekannten
Melodien von vielen klassischen Hollywood-Western, etwa
wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „The
good, the bad and the ugly“ und vereinigte sie in einen
außerordentlichen Westernmedley von imposanter Länge.
Intensive Proben und das Umschreiben der Chorstimmen war
Vorraussetzung für das Gelin-gen dieser famosen Aufführung.
Das Konzert war alles andere als ein betulicher Heimatabend
mit Wollsocken, Strickweste und Pfefferminztee und so wurde
das Publikum beim beschwingten Ländler „Grüße
aus Bayern“ von Walter Tuschla mitgerissen. Musikalische
Fünflinge waren beim Schottisch „Auf`n Kanapee“ von
Karl Edelmann zu hören. Die Klarinettisten Klaus Schnappauf,
Rainer Hertel, Hubert Klug, Frank Kratochvill und Florian
Förtsch spielten diesen quirligen Titel auf ihren „Wurzelhölzern.
Baptist Tremel, Roland Schnappauf, Hans-Peter Förtsch
und Rudi Neubauer von der SER waren die Akteure beim Singspiel „Die
fröhliche Stammtischrunde“ von Heinjo Horst und
Agnes Berg, welches Norbert Daum am Klavier begleitete.
Zu einer Tanzformation hatten sich Mitglieder der Freiwilligen
Feuerwehr Reichenbach zusammengefunden und warteten als
weiterer Höhepunkt mit einer Tanzshoweinlage auf. Den
Auftritt stellte Alexander Schülein vor und führte
die Anwesenden mit den Tänzern auf eine Zeitreise in
die 20er Jahre, einer Epoche mit teilweise längst vergessenen
Tänzen wie „Foxtrott“, „Black Bottom“ oder „Galopp“.
Weil so viele Freunde der „Egerländer Musik“ anwesend
waren erfreute die ORB mit einem Potpourri dieser Musikrichtung.
Bei der traditionellen Hitparade der Blasmusikanten konnte
das Publikum wiederum seinen musikalischen Geschmack auswählen,
bevor ein kurzweiliger musikalischer Abend zu Ende ging.
Der „Kaiserjäger-Marsch“, die „Amselpolka“, „Hey
Jude“ oder „Herzilein“ standen u.a. zur
Auswahl. Bei den letzten beiden Titel konnten Axel und Ronald
Licht noch einmal ihr Gesangstalent beweisen. Das Rennen
machte „Ein Stern der seinen Namen trägt“ mit
Axel Licht als „DJ Ötzi“.
-bz-




Bild 9. Kulturabend-2008-1:
Ein Höhepunkt des 9. Kulturabends war sicherlich der
gemeinsame Auftritt der Musiker und Sänger bei „Moment
For Morricone“, einem außerordentlichen Westernmedley.
Bild 9. Kulturabend-2008-2:
Musikalischer „Allrounder“ Siegfried Hollermeyer
begeisterte mit allseits bekannten Klängen an der Zither.
Bild 9. Kulturabend-2008-3:
Eine fröhliche und heitere Stammtischrunde boten (von
links) Rudi Neubauer, Hans-Peter Förtsch, Baptist Tremel
und Roland Schnappauf von der Sängerrunde „Eintracht“ Reichen-bach.
Bild 9. Kulturabend-2008-4:
In die 20er Jahre entführten die Tanzgruppe der FFW
Reichenbach das Publikum mit Tänzen wie „Foxtrott“, „Black-Bottom“ oder
einen „Galopp“.
Fotos: Bernhard Zipfel
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